Aktuelle Projekte aus Forschung und Entwicklung
Aktuelle Projekte aus Forschung und Entwicklung
Einflussfaktoren von Prozess und Outcome in humanistischer, ambulanter Gruppenpsychotherapie unter Verwendung des Routine-Outcome-Monitorings (ROM)
Dieses Forschungsprojekt untersucht Faktoren, die den Verlauf und das Ergebnis humanistischer Gruppenpsychotherapie beeinflussen. Obwohl die Wirksamkeit von Gruppenpsychotherapie durch Meta-Analysen belegt ist, stammen die Erkenntnisse überwiegend aus kognitiv-verhaltenstherapeutischen oder stark strukturierten Gruppensettings. Für die ambulante humanistische Gruppenpsychotherapie unter Praxisbedingungen liegen bislang nur wenige systematische Untersuchungen vor.
Auf Basis von Routine-Outcome-Monitoring-(ROM-)Daten werden drei Fragestellungen untersucht: Erstens, welchen Einfluss transdiagnostische Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale, strukturelles Integrationsniveau und traumatische Erfahrungen auf das Therapieergebnis haben. Zweitens, ob gruppentherapeutische Prozesse wie Verbundenheit, Arbeitsbeziehung und negative Beziehungsaspekte den Therapieverlauf beeinflussen. Drittens wird geprüft, ob sich regelmäßige Rückmeldungen zum Therapieverlauf positiv auf den weiteren Therapieverlauf auswirken.
| Leitung / Projektverantwortliche | Mag. Bianca Bertl |
| Kooperationspartner | USTP – University of Applied Sciences St. Pölten |
| Laufzeit | 2026– 2029 |
| Fördergeber/-schiene | GFF |
Walk a mile in my shoes - Perspektivenwechsel: Barrierefreiheit neu denken
Technologie prägt unser Leben. Digitale Innovationen erleichtern den Alltag und eröffnen neue Möglichkeiten. Für Millionen Menschen mit Behinderungen bergen viele dieser Technologien jedoch Barrieren. Ein Grund dafür ist der fehlende direkte Kontakt von Software-Entwickler:innen und Menschen mit Behinderungen. Ohne ihn fehlt oft das Verständnis für Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen im digitalen Raum – und für Hindernisse, die durch Technologien selbst entstehen. So wird digitale Zugänglichkeit häufig als rein technische Aufgabe betrachtet, statt als Voraussetzung für gleichberechtigte Teilhabe.
Hier setzt das Projekt an. Barrierefreiheit soll nicht länger nur als technische Pflicht verstanden werden, sondern als Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung, die Chancengleichheit in der digitalen Welt ermöglicht. Mit partizipativer Forschung und einem Co-Design-Prozess entwickeln wir deshalb mit Vertreter:innen der Softwarebranche und unseren Projektpartnern ein Toolkit, das technisches Wissen mit sozialer Verantwortung verbindet. Ein nachhaltiger Perspektivenwechsel in der digitalen Entwicklung ist das Ziel.
| Leitung / Projektverantwortlicher | Univ.-Prof. Dr. Oliver Koenig |
| Kooperationspartner*innen | Independo GmbH (Lead), Österreichischer Behindertenrat (ÖBR), Verein Integration Wien (IWI), Verein UKredo, Hacker School |
| Laufzeit | 01/2026–12/2028 |
| Fördergeber/-schiene | FFG, Laura Bassi, 3. Ausschreibung |
KommHilf – In/formelle Unterstützungsnetzwerke in ländlichen Gemeinden
Die sogenannte Informalisierung der Zivilgesellschaft stellt Hilfsorganisationen, politische Akteure und die Sozialwissenschaften vor neue Herausforderungen bei der Bewältigung von Krisen und Katastrophen. Es fehlt an Wissen über Praxis und Koordinationsdynamik informeller Unterstützung und über damit verbundene Mechanismen der Inklusion und Exklusion. Zugleich besteht ein Bedarf an Nachhaltigen Schnittstellen zwischen formeller und informeller Hilfe. Das Projekt erforscht und kartiert in zwei partizipativen Fallstudien die Zusammenarbeit von informellen und formellen Unterstützungsnetzwerken. Citizen Scientists erarbeiten gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern sowie Mitgliedern von Hilfsorganisationen Lösungen für ihre lokalen Herausforderungen.
| Leitung / Projektverantwortlicher Suttneruni | Univ.-Prof. PD Dr. habil. Alban Knecht |
| Kooperationspartner*innen | VICESSE Österreichisches Rotes Kreuz Landesverband Niederösterreich |
| Laufzeit | 06/2026–05/2029 |
| Fördergeber/-schiene | GFF FTI-Citizen Science Gesellschaft und Kultur |
ENDURING
Der Arbeitsalltag von Strafvollzugsbediensteten ist geprägt durch physische und psychische Belastungen. Sie arbeiten in hochkontrollierten, einengenden Umgebungen, verwalten Sicherheitsprozesse und sind täglich mit unkooperativen Insassen, Beleidigungen und Anfeindungen konfrontiert. Hinzu kommen Überstunden, Personalmangel sowie der Druck, Krisensituationen wie Suizidversuche professionell zu bewältigen. Medienberichte über Flucht- oder Gewaltvorfälle in JVAs erhöhen den Stress zusätzlich. Frauen sind im Berufsfeld unterrepräsentiert, was besondere Herausforderungen mit sich bringt. Steigende Belastungen, wachsende Gewaltbereitschaft und gesellschaftliche Erwartungen führen zu höheren Krankenständen und Fluktuation. Strategien zur langfristigen Entlastung des Personals sind erforderlich. Digitale Technologien im Sicherheitssektor gewinnen an Bedeutung. Extended-Reality-(XR)-gestütztes Training kann die psychische Gesundheit und Resilienz stärken, indem realitätsnahe Stress- und Konfliktsituationen risikofrei simuliert werden. Bisherige XR-Ansätze im Strafvollzug fokussieren jedoch vorwiegend auf Notfälle wie Aufstände oder Brände.
Ziel von ENDURING ist die Erforschung, wie XR-gestützte Serious Games (XR-SG) in präventiven und reaktiven Trainingssituationen die psychische Gesundheit und Resilienz stärken und nachhaltige Verhaltensänderungen fördern. Beamt:innen profitieren durch Training zu Alltagsstressoren, Emotionsregulation und Frühintervention. Dies reduziert Stressbelastung, stärkt Selbstwirksamkeit und trägt zur langfristigen Entlastung bei. Da Unterstützungsangebote oft schwer zugänglich oder stigmatisierend sind, untersucht ENDURING, wie immersive, spielbasierte Ansätze in Stressbewältigungsstrategien integriert werden können. Die spielbasierte Gestaltung erhöht Akzeptanz und nachhaltigen Kompetenzaufbau.
| Leitung / Projektverantwortliche Suttneruni | Univ.-Prof. Dr. Aglaja Przyborski |
| Kooperationspartner*innen | DI (FH) Birgit Pohn, MSc, FH Technikum Wien (Konsortialführung), Bundeministerium für Justiz (BMJ) (Bedarfsträger), MindConsole GmbH, Repuco Unternehmensberatung GmbH |
| Laufzeit | 2027-2029 |
| Fördergeber/-schiene | FFG K-PASS 2025 – Kooperative F&E Projekte |
Die Organisation des Strafvollzugs verstehen: organisationaler Wandel entlang der Entwicklung und Umsetzung des Artefakts „Cockpit“
Dissertation (Marion Neunkirchner BA MA)
In den letzten Jahrzehnten kam es im Zuge von gesetzlichen Änderungen in der öffentlichen Verwaltung zur Einführung des New Public Management. Auch der Strafvollzug reorganisiert sich aufgrund neuer daraus resultierender Anforderungen und entwickelt ein Controllinginstrument für die Erhebung und Analyse strafvollzugsrelevanter Kennzahlen – in Gestalt des so genannten „Cockpit“. Die Entwicklung und Umsetzung dieser digitalen Plattform können als Ausdruck organisationalen Wandels gelesen werden, welche sich entlang formaler und informaler Strukturen und Handlungen prozessieren. Jene (impliziten) Kenntnisse sollen mittels interpretativ ausgerichteter Artefaktanalyse rekonstruiert werden, um organisationale Routinen und Handlungsmuster zu typisieren, die ein besseres Verständnis der Organisation des Strafvollzugs für Wissenschaft und Praxis ermöglichen.
| Leitung / Projektverantwortliche | Marion Neunkirchner BA MA |
| Laufzeit | 2025-2028 |
| Fördergeber/-schiene | Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich m.b.H., FTI-Dissertationen |
Ausbildungsforschung der Psy-Berufe an der BSU
Das Projekt zielt darauf ab, die Persönlichkeitsentwicklung von Studieren der psychosozialen Berufe an der Bertha von Suttner Privatuniversität zu monitoren. Die Studie ist disziplinenübergreifend (Psychologie, Psychotherapie, psychosoziale Beratung) und hilft dabei, die Ausbildung bestmöglich zu gestalten und die Fortschritte der Studierenden im Studium zu erfassen.
Die Datenerhebungen finden regelmäßig während des Studiums statt (am Beginn jedes Semesters) und ermöglichen dadurch die Entwicklung von Persönlichkeitsaspekten, den Fortschritt, und die Erfahrungen von Studierenden in psychosozialen Berufen zu besser verstehen. Die Datenerhebung erfolgt anonym und werden aggregiert ausgewertet.
| Leitung / Projektverantwortliche | Ass.-Prof.in Mag.a Dr.in Raphaela Kaisler, MSc MSc (Department Psychologie) |
| Kooperationspartner | Department Psychotherapie und Psychosoziale Beratung an der BSU |
| Laufzeit | Start 01.09.2024 (Langzeitstudie) |
| Fördergeber/-schiene | keine |
Gemeinsam psychisch stärker – Ein Kooperationsprojekt an der Schnittstelle von Schule und Universität
Unter dem Eindruck vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen beschreiben sich etwa 30 Prozent der Jugendlichen in Österreich als psychisch belastet. Gleichzeitig ist das Thema der mentalen Gesundheit für einen Großteil der Heranwachsenden heute wenig tabuisiert und insgesamt von hoher Relevanz.
Das Kooperationsprojekt greift die damit verbundenen Fragen und Chancen auf, indem es – basierend auf einem multimethodalen, partizipativen Ansatz – konkrete Belastungsfaktoren, Ressourcen und Bedarfe rund um das Thema mentale Gesundheit an der HAK St. Pölten erhebt und darauf aufbauend konkrete Angebote für und mit den Schülerinnen und Schülern entwickelt sowie diese an der Schule implementiert.
Die BSU und die HAK St. Pölten sind Mitglieder des „Wohlfühlpools – ABC der psychischen Gesundheit“ und verstehen ihr Kooperationsprojekt als Beitrag zu dieser Initiative.
| Leitung / Projektverantwortliche Suttneruni | Bereich Psychotherapie: Assoc. Prof. Dr. Michael Wininger Bereich Psychologie: Ass.-Prof.in Mag.a Dr.in Raphaela Kaisler, MSc MSc |
| Kooperationspartner*innen | Handelsakademie St. Pölten: Direktor Mag. Thomas Huber Neben der Schulleitung gehören dem Projektteam seitens der HAK zahlreiche SchülerInnen, LehrerInnen und Mitglieder des schulärztlichen Dienstes an. Ambulanz der BSU: FH-Prof. DSA Kurt Fellöcker, MA, MSc |
| Laufzeit | 2023- |
| Erklärvideo auf dem Suttneruni-YouTube-Channel | Gemeinsam psychisch stärker |
Mentoring for Social Inclusion in Europe: Sharing Knowledge and Building Capacity (Ment4EU)
Mentoring relationships between a volunteer and a person with fewer opportunities have proven a successful way to foster inclusion and diversity. The Cooperation Partnership project Ment4EU helps higher education keep abreast of the growing significance of social mentoring programs in policy and practice.
Led by innovation principles, the consortium of five universities makes available findings, as well as teaching concepts and material. It analyses examples of how social mentoring has been developed successfully. Dissemination activities make resources available for lecturers and researchers, students and professionals.
Ment4EU produces resources that are openly accessible and expandable: It publishes a handbook on social mentoring in Europe and a database on the main bulk of research. It implements new curricula and multimedia resources. It offers students and staff opportunities for mobility. It provides an innovation manual on how universities can develop mentoring schemes for social inclusion and engage more responsibly with their communities.
| Project Manager | Univ.-Prof. Dr. Eberhard Raithelhuber |
| Partner universities and local contact |
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| Run time | 12/2023–12/2026 |
| Funding | European Commission, through the ERASMUS+ “Cooperation Partnerships” program (KA220-HED) |
| Publications | Raithelhuber, E. (2023). Mentoring for Social Inclusion: A Call for Social Work to Engage with an Emerging Model of Social Intervention. European Journal of Social Work, 26 (online first). https://doi.org/10.1080/13691457.2023.2236319 |
Socio-spatial framework conditions for inclusive housing for persons with complex mental health needs in rural and small-town areas (SPUR)
Sozialräumliche Rahmenbedingungen für inklusive Wohnformen für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in ländlichen und kleinstädtischen Räumen Niederösterreichs
Trotz einer wachsenden Zahl an Veröffentlichungen zum Thema gemeinschaftliche und inklusive Wohnprojekte beschäftigen sich noch vergleichsweise wenige mit diesen Wohnmodellen im Kontext der Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Bisherige Forschungsergebnisse weisen lediglich allgemein darauf hin, dass die natürliche sowie gebaute Umwelt die psychische Gesundheit beeinflussen können. Vor diesem Hintergrund haben sich UWK, BSU und FH-StP und PSZ gGmbh zum Forschungsprojekt SPUR zusammengeschlossen. Das Team untersucht sozialräumliche Rahmenbedingungen für gemeinschaftliche und inklusive Wohnformen für und mit Menschen mit psychischen Krankheitserfahrungen in ländlichen Räumen Niederösterreichs. Das Projekt wendet verschiedene qualitative und partizipative Forschungsmethoden an, um sozialräumliche Faktoren ausfindig zu machen, die Entstehung, Verlauf und Genesungsprozess von psychischen Erkrankungen beeinflussen. Ziel ist, Empfehlungen für bestehende oder zukünftige gemeinschaftliche Wohnprojekte zu entwickeln, damit Menschen mit psychischen Krankheitserfahrungen dort ihr Leben selbstbestimmt gestalten, genesen und in ihrem eigenen Zuhause begleitet und behandelt werden können.
| Leitung / Projektverantwortliche | |
| Mitarbeitende | Mag. Tim Brunöhler |
| Kooperationspartner*innen |
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| Laufzeit | 2023–2026 |
| Fördergeber/-schiene | GFF NÖ (FTI-Projekte Grundlagenforschung, Gesellschaftlicher Zusammenhalt im Wandel) |
| Publikationen | noch keine |
| Projektwebsite | https://www.donau-uni.ac.at/spur/ |
Spaces for Madness – Zu einer heuristischen Theorie über Raum und Ort für psychische Gesundheit: Soziale Produktion, körperliche Verortung und virtuelle Räume (Spaces for Madness)
Dissertation (Dipl.-Ing.in Esther Blaimschein, BSc)
Das Dissertationsvorhaben widmet sich der Versorgungs-, diskursiven und gelebten Praxis von Psychiatrie und „mental illness“, innerhalb eines genuin raumrelationalen Verständnisses. Als Aufgabe der Raum- und Infrastrukturplanung, verstellt die Gesundheitsplanung zunächst als Instrument den Blick auf die normierenden (Wissens-) Ordnungen und oftmals unsichtbaren, gelebten Sphären des Raums. Räumliche Praxis und kollektive Erfahrung sind spätesten seit dem Spatial Turn zwar als Dimension des Raumdiskurses präsent, eine Theorie zu einer „Spatiality of Madness“ bleibt aber bis dato aus. Der virtuelle Raum per se, sowie zunehmende Hoffnung in eHealth-Technologien, stellen manifeste Orte und gesellschaftliche Handlungspraxen vor neue Fragen. Bestehende Dispositive verändern sich, werden erweitert, der Diskurs zu „psychischer Krankheit und Gesundheit“, aber auch was das eine oder das andere genau ist, sind spätestens seit der COVID-Pandemie auch im öffentlichen Diskurs zunehmend präsent. Ziel der Dissertation ist es einen fundierten, empirischen Beitrag zum wissenschaftlichen Theoriediskurs zu entwickeln, der Dimensionen von „Spaces for Madness“ offenlegt, wobei [for] als affirmative Präposition und [Madness] als integrativer Terminus zu Begriffen aus den Psy-Disziplinen und der Alltagssprache eingeführt wird.
| Leitung / Projektverantwortliche | Dipl.-Ing.in Esther Blaimschein, BSc |
| Laufzeit | 2023-2026 |
| Fördergeber/-schiene | GFF NÖ – FTI-Dissertationen |