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Entwicklungsaspekte über die Lebensspanne in der Integrativen Gestalttherapie

Die Fachbuchreihe Gestalt aktuell stellt fünf Beiträge vor, die sich mit Entwicklungsaspekten über die gesamte Lebensspanne befassen – von der Bedeutung sicherer Bindungen und Resonanzerleben für die frühkindliche Entwicklung über die Autonomieentwicklung in Kindheit/Jugend sowie die Identitätsbildung im Zuge des Erwachsenwerdens bis hin zu den Folgen komplexer Entwicklungstraumata im gesamten Lebensverlauf und Entwicklungsprozessen im Alter, die auch Abschied und Verlust umfassen.

Raphaela Kaisler widmet sich im zweiten Beitrag dem Phänomen der Zeitlichkeit in der Traumafolgetherapie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dazu wird zunächst darauf eingegangen, dass sich unsere Persönlichkeit als leiblich verankertes und in biografische Situationen (soziale Beziehungen sowie Situationen in Familie, Schule und Beruf) eingebettetes Ganzes entwickelt. 

Wir entfalten ein leibliches Selbst, ein Ich-Bewusstsein und eine Identität, während sich unser Leben als Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Hier und Jetzt aufbaut, wo wir mit anderen sind und unser inneres Zeiterleben mit den Zeitperspektiven anderer abstimmen müssen. Besonders wichtig für menschliche Entwicklung sind Beziehungen; in der Entwicklung sind wir im Dialog mit uns selbst, der Welt und den anderen. Im Entwicklungsprozess in Beziehung zur Welt integrieren wir Erfahrungen und bauen ein leibliches und psychisches Gedächtnis auf. Dieser Prozess des Aufbaus und der Festigung von Ich-Grenzen, der es uns ermöglicht mit der Welt und anderen Menschen in Beziehung zu sein, kann durch Traumata und andere Formen überwältigender Erfahrungen (Überstimulierungen) oder auch durch Mangelerfahrungen (Vernachlässigung) irritiert werden. 

Raphaela Kaisler analysiert derartige Krisen als Zerfall der Zeitstruktur: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können nicht mehr in einen Zusammenhang gebracht bzw. dieser Zusammenhang ist nicht mehr über biographisches Erzählen zugänglich. In der Folge verdeutlicht der Artikel an anschaulicher Fallbeispielen wie diese Schädigungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erlebt und verarbeitet werden. Die These: Traumatisierungen lassen sich „über die gesamte Lebensspanne hinweg wesentlich als Störungen des gelebten Zeiterlebens verstanden werden [...].“ Und es handelt sich um Störungen des Bezugs zum eigenen Selbst, zur Welt und zu den Anderen, aber auch diese Bezüge bauen sich zeitlich auf, weil nicht nur die innere Zeit, sondern auch die geteilte Zeit mit anderen aus dem Takt gerät. Die zeitliche Ordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist erschüttert und es gelingt nicht mehr, das Leben als stimmigen Zusammenhang zu erfassen. 

Oft überlagert und überschattet die Vergangenheit die Gegenwart und die Zukunft und damit schließen sich Entwicklungsperspektiven. Aus therapeutischer Sicht wird gezeigt, wie in der therapeutischen Beziehung in einem Raum, der Sicherheit gibt und Vertrauen schafft, die traumatisierenden Erlebnisse schrittweise bewältigt werden können, über leibgebundene Methoden (Berührungen), spielerische Methoden, mediale Darstellungen (Zeichnen), Methoden zur Bewältigung posttraumatischer Belastungsstörungen (EDMR-Augenbewegungen) bis zur erzählerischen Bewältigung und Distanzierung.

206 Seiten - ISBN: 978-3-7089-2675-9 / 1. Auflage / Erscheinungstermin: 05/2026

 

Buchcover Entwicklungsaspekte über die Lebensspanne in der Integrativen Gestalttherapie

 

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Facultas-Verlag - Reihe Gestalt aktuell - Entwicklungsaspekte über die Lebensspanne in der Integrativen Gestalttherapie

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