GFF NÖ fördert zwei neue Dissertationsprojekte an der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten
GFF NÖ fördert zwei neue Dissertationsprojekte an der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten
Zwei neue Dissertationsprojekte an der Bertha von Suttner Privatuniversität (Suttneruni) untersuchen die Verläufe und die Wirkungen von ambulanter humanistischer Gruppenpsychotherapie und die Bedeutung von digitalen und physischen Räumen im Kontext psychiatrischer Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Beide Projekte werden von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich (GFF NÖ) gefördert und entstehen in enger Kooperation mit der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten.
Was macht eigentlich die Wirksamkeit von Gruppentherapie aus? Und wie prägen digitale und physische Räume innerhalb und außerhalb von Kliniken die psychische Gesundheit junger Menschen? Mit diesen Fragen beschäftigen sich zwei neue Dissertationsprojekte an der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten. Die Psychologin Bianca Bertl untersucht personenbezogene und gruppenspezifische Faktoren in der humanistischen Gruppentherapie. Die Sozialwissenschaftlerin Lea Helle-Van Kuren untersucht aus Sicht der Raumsoziologie die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Beide Dissertationsprojekte verdeutlichen das Spektrum psychosozialer Forschung an der Suttneruni: von statistischen Methoden über ethnographische Forschung bis zu narrativen Interviews.
Die Suttneruni schätzt die erfolgreiche Einwerbung der Drittmittel außerordentlich, da sie ein wichtiger Indikator für die wissenschaftliche Exzellenz und eine Bestätigung der Forschungsinitiativen ist. "Die nachhaltige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die institutionelle Kooperation liegen uns dabei besonders am Herzen", betont Michael Wininger, Rektor und Geschäftsführer der Suttneruni.
Was macht eigentlich die Wirksamkeit von Gruppentherapie aus?
Psychotherapie in Gruppen gehört in psychotherapeutisch-psychosomatischen und psychiatrischen Kliniken sowie in der ambulanten Versorgung zum Standardrepertoire. Welche Faktoren den Verlauf und das Ergebnis einer Gruppentherapie beeinflussen, ist wissenschaftlich jedoch weitgehend unklar. In ihrer Dissertation widmet sich Bianca Bertl den Einflussfaktoren von Prozess und Outcome in humanistischer, ambulanter Gruppenpsychotherapie unter Verwendung des Routine-Outcome-Monitorings (ROM).
Bertl geht dabei von einem zentralen Grundgedanken humanistischer Psychotherapie aus: „Die Wirksamkeit wird häufig an der Symptomreduktion des jeweiligen diagnostizierten Störungsbildes gemessen. Gerade in humanistischen Verfahren liegt der Fokus jedoch nicht auf dem Störungsbild, sondern auf den individuellen Bedürfnissen der Person.“
Anhand systematischer Datenerhebung während der Behandlung und mittels statistischer Methoden wertet Bertl die Therapieverläufe über das ROM aus. Dabei bezieht sie transdiagnostische Daten ein – also Faktoren wie Persönlichkeitsmerkmale, das psychische Strukturniveau oder traumatische Lebensereignisse, die über einzelne Diagnosen hinausgehen. Zudem analysiert sie spezifische Verlaufsdaten, um den Einfluss psychischer Belastungen von einer Therapieeinheit auf die nächste statistisch zu erfassen. Damit soll sichtbar werden, welche individuellen und gruppenspezifischen Faktoren mit dem Verlauf einer Gruppentherapie zusammenhängen.
Wie prägen digitale und physische Räume innerhalb und außerhalb von Kliniken die psychische Gesundheit junger Menschen?
Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, in der sich unterschiedliche physische und digitale Räume durchdringen und überlagern. Bisher ist jedoch kaum untersucht, in welchem Zusammenhang diese unterschiedlichen Räume mit psychischer Gesundheit und psychischen Belastungen stehen, wie junge Menschen sie erleben und welchen Zugang sie zu räumlichen Ressourcen haben. Gemeint ist damit, was ein bestimmter Ort – egal ob das Elternhaus, die Psychiatrie oder Instagram – einem jungen Menschen bietet, um psychisch gesund zu bleiben oder gesund zu werden. Lea Helle-Van Kuren geht dieser Frage in ihrem Dissertationsprojekt „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen als räumliche Praxis. Orientierungen in Versorgung, Krise und digitalem Alltag in stationären, ambulanten und häuslichen Versorgungskonstellationen“ nach. Das Projekt verbindet Soziale Arbeit, psychiatrische Versorgung und Raumsoziologie. Es untersucht, wie institutionelle Betreuung in der Praxis gelebt wird.
Tatsächlich geht es bei der Bewältigung von Krisen nicht nur um das psychiatrische Versorgungsangebot, erklärt die Sozialwissenschaftlerin Helle-Van Kuren: „Es geht nicht nur darum, ob Unterstützung verfügbar ist. Sondern es geht auch darum, wie institutionelle Betreuung in der Praxis gelebt wird: wie Stationen, Kliniken, Heime und der digitale Raum den Alltag organisieren, Beziehungen strukturieren und zu Bewältigung, Anpassung oder Widerstand anregen.“
Zur wissenschaftlichen Methodik
Doch wie wird das untersucht? Um einen direkten Zugang zur Lebenswelt stationär psychiatrisch betreuter Kinder und Jugendlicher zu erhalten, wird die Arbeit von der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Standort Hinterbrühl des Landesklinikums Mödling unterstützt. Lea Helle-Van Kuren erschließt die Erfahrungen der stationär betreuten jungen Menschen über einen sensiblen empirischen Zugang: Sie kombiniert ethnographische Methoden und narrative (erzählgenerierende) Interviews mit visuellen Kartierungsmethoden, bei denen die Jugendlichen ihre Räume und Alltagswege zeichnerisch darstellen.
Dissertationen in enger Kooperation
Die beiden Dissertationsprojekte entstehen in enger Kooperation der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten mit der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. Beide Vorhaben wurden von der GFF NÖ als förderwürdig befunden und verbinden dabei unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven auf zentrale Fragen der psychosozialen Versorgung. Beide Dissertationsprojekte sind für eine Laufzeit von drei Jahren angelegt.
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Die Dissertantinnen

Lea Helle-Van Kuren: Die einstige Tänzerin (u.a. Metropolitan Opera New York) ist Sozialwissenschaftlerin und lehrt und forscht heute als Senior Lecturer im Bereich Soziale Arbeit an der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten.
Bild: (c) privat

Von Dubai nach St. Pölten: Die Psychologin Bianca Bertl lehrte Psychologie an der Middlesex University in Dubai, bevor sie an die Bertha von Suttner Privatuniversität ihre Tätigkeit als Forscherin und Senior Lecturer im Bereich Psychotherapie aufnahm.
Bild: (c) Max Peternell
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Suttner+
NEU: Seit Mitte August bietet die Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten mit Suttner+ ein neues Zentrum für Fort- und Weiterbildungen an. Das kleine »+« im Namen steht für das Plus an Expertise der Privatuniversität. Diese bildet die Grundlage für die angebotenen Themenschwerpunkte – von Psychologie und Psychotherapie über Soziales und Inklusion bis hin zu Organisationsentwicklung und Change. Zum Angebot gehören einzelne Fort- und Weiterbildungen, Universitätskurse sowie Zertifikats- und Diplomlehrgänge – mit renommierten Referent*innen aus Wissenschaft und Praxis.