Ein Fest für den Frieden – Betrachtungen im Nachgang
Ein Fest für den Frieden – Betrachtungen im Nachgang
Vor 120 Jahren erhielt die niederösterreichische Schriftstellerin und Friedensaktivistin Bertha von Suttner offiziell den Friedensnobelpreis. Die Bertha von Suttner Privatuniversität (BSU) nimmt das Gedenkjahr ihrer Namenspatronin zum Anlass, um sich mit ihren Themen und Anliegen in einer Reihe von Veranstaltungen auseinanderzusetzen. Höhepunkte dieser Auseinandersetzung sind das „Fest für den Frieden“, das die BSU am 9. Oktober 2026 am gemeinsamen Campus der BSU und der USTP in St. Pölten zusammen mit der Kulturzeitschrift Skug veranstaltete, und eine performative Lesung ihres frühen Buchs „Das Maschinenzeitalter“, das am 10. Dezember (am Tag der Menschenrechte) an der BSU stattfinden wird. Kern der aktuellen Veranstaltung war eine Panel-Diskussion mit Expert*innen, die aus unterschiedlichen Perspektiven über die Folgen von Kriegen und die Möglichkeiten friedlicher Konfliktlösungen diskutierten.

Die Diskutant*innen und Mitwirkenden des „Festes für den Frieden“ (v. l. n. r.): Christopher Schlembach (Senior Scientist für Forschungsvernetzung, Kurator und Moderator des Festes), Cornelius Zehetner (Philosoph und Präsident der Gesellschaft für Phänomenologie und kritische Anthropologie, Wien), Birge Krondorfer (politische Philosophin und frauenpolitische Aktivistin), Frank Jödicke (Journalist, Moderator des Festes und Vertreter der Kulturzeitschrift skug), Ana Mijic (Tenure-Track-Professorin an der Universität Wien), Michael Wininger (Rektor und Geschäftsführer der BSU) und Alban Knecht (Professor für Soziale Arbeit an der BSU). Credit: Anna Hasler/BSU
Ana Mijic, seit 2025 als Tenure-Track-Professorin an der Universität Wien, verdeutlichte an ihrer Forschung, „wie Menschen, die als Kinder oder Jugendliche vor dem Krieg in Bosnien und Herzegowina geflüchtet sind, ihre Erfahrungen von Krieg, Flucht und Zugehörigkeit im weiteren Lebensverlauf verarbeiten und biographisch einordnen. Was Krieg und Flucht für Menschen bedeuten, zeigt sich oft erst über lange Zeiträume hinweg.“
Die politische Philosophin und frauenpolitische Aktivistin Birge Krondorfer strich in ihrem Beitrag die fundamentale Beobachtung heraus, dass der Krieg kein weibliches Gesicht hat. Krieg ist nach wie vor männlich geprägte Gewalt. „Und doch“, sagt sie, „kommen die meisten Debatten über die aktuellen Kriege und deren militaristische Logik ohne feministische Kritiken und Perspektiven aus. Das muss geändert werden. Krondorfer verweist auf Ingeborg Bachmann, eine der wichtigsten Stimmen der österreichischen Nachkriegsliteratur und spitzt ihre Kritik der Gewalt gegen Frau damit zu: „Die Einsicht von Ingeborg Bachmann, dass ‚der Krieg die Explosion des Krieges im Frieden ist‘, kann wörtlich genommen bedeuten, dass extreme Gewalt gegen Frauen – nicht nur im Krieg medial unerwähnt – ausgeübt wird.“
Cornelius Zehetner lehrte an der Universität Wien Philosophie und ist Präsident der Gesellschaft für Phänomenologie und kritische Anthropologie (Wien) und Vizepräsident der Michael Benedikt Gesellschaft zur Erforschung der Aufklärung (Budapest). Vor dem Hintergrund der Friedenskonzeption Immanuel Kants zeigt er auf, dass es „keine sinnvolle Rede über Krieg ohne ein positives Friedenskonzept geben kann.“ Und er fügt hinzu: „Gerade darin liegt die große Schwierigkeit der Aufgabe: in den Krieg Friedenskeime reinzukriegen und die Kriegskeime aus dem Friedenszustand rauszukriegen. Im Kleinen wie universal-menschengeschichtlich.“
Alban Knecht, Professor für Soziale Arbeit an der BSU, brachte das Gespräch auf Bertha von Suttner zurück und inwiefern sie als Namensgeberin Impulse für das Studium und das Wirken der Universität in die Gesellschaft geben kann. „Suttner,“ argumentiert Knecht, „vertrat ein humanistisches Bildungsideal, das weder Männer auf den Krieg noch Frauen auf ihre Rolle als Unterstützerinnen und Sorgearbeiterinnen vorbereiten soll.“ „Krieg lässt sich für Suttner durch rechtliche Konfliktlösungen vermeiden und zugleich müssen Institutionen geschaffen werden, die Friedensaktivismus in der Gesellschaft verankern. Natürlich war sie zum Beispiel in ihrem Wissenschaftsverständnis ein Kind ihrer Zeit, aber ihr politischer Aktivismus und ihre Fähigkeit, Menschen zu begeistern und zu organisieren bleibt uns ein Vorbild.“

Denn Abschluss der Diskussionsveranstaltung bildete eine „Wish-Tree Aktion,“ die auf die Künstlerin Yoko Ono zurückgeht. Das passte nicht nur zum Datum – am 9. Oktober ist auch der Geburtstag von Yoko Onos Ehemann, John Lennon –, sondern es verweist auch auf die transformative Kraft von Ideen, die Wirklichkeit werden können, wenn man sie gemeinsam träumt.
Michael Wininger erinnerte in seiner Eröffnungsrede an diese Wirkung von Ideen, die solche Aktionen auslösen können. Aber er machte auch deutlich, dass Friede kein Zustand ist, der durch Träumen in die Welt kommt. Er ist vielmehr eine kollektive Leistung, auf deren Erbringung Universitäten vorbereiten können: „Frieden ist also kein Zustand, der einfach da ist. Er ist eine Kulturleistung, die jede Generation neu erbringen muss. Dafür braucht es Wissen, Urteilskraft und Mut, und genau dafür sind Universitäten da.“
Eine Kooperation der Bertha von Suttner Privatuniversität mit der Kulturzeitschrift skug im Rahmen von „Salon skug auf Rädern“, mit freundlicher Unterstützung des Amtes der NÖ Landesregierung, Abteilung Kunst und Kultur, Egger Getränke und Event-Köck.